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"Bündnis Ausbildung Hessen" appelliert an Betriebe

11.05.2020 | 18:22 Uhr | Corona-Krise
'Bündnis Ausbildung Hessen' appelliert an Betriebe

Das „Bündnis Ausbildung Hessen“ bekennt sich trotz der aktuell schwierigen Situation, in der sich die hessische Wirtschaft aufgrund der Auswirkungen der Corona-Krise befindet, zur dualen Ausbildung und appelliert geschlossen an die Betriebe, begonnene Ausbildungen fortzusetzen und sich auch im kommenden Ausbildungsjahr weiter für die Sicherung des Fachkräftebedarfs zu engagieren. 

Das Land Hessen, die hessischen Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern, die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e. V., der Verband Freier Berufe in Hessen, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB-Bezirk Hessen-Thüringen) sowie die kommunalen Spitzenverbände wollen Auszubildenden, Betrieben und Berufsbildungseinrichtungen in Krisenzeiten zur Seite stehen und sie in besonderem Maße unterstützen.

Zukunft nicht aus den Augen verlieren 

„Auch in Krisenzeiten dürfen wir die Zukunft nicht aus den Augen verlieren: Wir werden weiterhin Fachkräfte benötigen und wir müssen auch weiterhin dafür sorgen, dass junge Menschen zu Fachkräften von morgen ausgebildet werden. Ich danke den Bündnispartnern für ihre vorausschauenden Vorschläge. Die Hessische Landesregierung wird auch weiterhin die Betriebe und die Auszubildenden umfassend unterstützen“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier heute in Wiesbaden. 

In einem gemeinsamen Grundsatzpapier betonen alle Bündnispartner zum einen die Bedeutung der dualen Ausbildung für die hessische Wirtschaft an sich. Zum anderen geben sie Handlungsempfehlungen, mit denen Betriebe unterstützt werden sollen, trotz der Folgen der Corona-Pandemie und des Lockdowns, begonnene Ausbildungsverhältnisse fortzusetzen und auch im kommenden Ausbildungsjahr weiter junge Menschen zu qualifizieren. Die Bündnispartner betonen darüber hinaus, dass sie für Beratung und Unterstützung jederzeit zur Verfügung stehen.

Anpassung des Ausbildungsplans, mobiles Arbeiten, Teilzeitausbildung 

Die Mitglieder des „Bündnis für Ausbildung“ weisen darauf hin, dass Auszubildende bei fehlender Auslastung in eine andere Abteilung des Betriebs umgesetzt werden können. Zudem sind mobiles Arbeiten oder Homeoffice weitere Optionen. Lerninhalte können vorgezogen, der Ausbildungsplan umgestellt oder neue Lehr- und Lernmethoden – zum Beispiel in Form digitaler Lernpakete – zum Einsatz kommen. Dabei sollte stets ein enger Austausch mit den Ausbilderinnen und Ausbildern gewährleistet sein. 

Um zu verhindern, dass durch die generelle Verunsicherung die Zahl der Ausbildungsabbrüche zunimmt, weisen die Bündnispartner auf verschiedene Möglichkeiten hin: So ist zum Beispiel die Fortsetzung der Ausbildung in Teilzeitform ebenso eine Alternative wie der Wechsel in einen anderen Betrieb. Auch Kurzarbeit für Auszubildende sowie Ausbildungsverbünde können mögliche Optionen sein, um Ausbildungsplätze zu erhalten. 

Die Bündnispartner setzen alles daran, dass auch das Ausbildungsjahr 2020/21 erfolgreich starten kann. Sie appellieren an Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen, hier großzügige Lösungen zu finden, damit ein späterer Start in das Ausbildungsjahr wie immer möglich ist.

Elementarer Baustein für unternehmerischen Erfolg 

„Ob Corona oder nicht: Die Ausbildung junger Menschen ist ein elementarer Baustein für nachhaltigen unternehmerischen Erfolg. Und für junge Menschen ist die duale Ausbildung die Grundlage für ein erfolgreiches Berufsleben. Darum setzen wir uns gemeinsam dafür ein, dass hessische Betriebe an der Qualifikation von jungen Fachkräften festhalten, auch im kommenden Ausbildungsjahr. Da, wo es wegen der Folgen der wirtschaftlichen Einschränkungen notwendig ist, werden wir schnelle und unkomplizierte Lösungen finden. Ich appelliere an die hessischen Betriebe, weiter und auch künftig auszubilden. Zugleich kann ich versichern, dass wir sie dabei nicht allein lassen und das Land sie weiter unterstützen wird“, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Waziir. 

Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz ergänzte: „Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen. Wer jetzt zögert, steht bei der nächsten Krise im Regen. Deshalb müssen wir alles daransetzen, gemeinsam mit den Betrieben flexible Lösungen zu finden, damit auch im kommenden Ausbildungsjahr möglichst viele junge Menschen eine duale Ausbildung beginnen beziehungsweise erfolgreich beenden können. Die digitalen Kompetenzen, die Auszubildende und Lehrkräfte gerade in Windeseile erwerben, kommen mittelfristig auch den Betrieben zugute.“ 

Wissenschaftsministerin Angela Dorn: „Wir setzen uns in Hessen dafür ein, dass kein Ausbildungsweg zur Sackgasse wird. Der Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte erleichtert die Entscheidung, nach dem Schulabschluss in eine Ausbildung zu gehen. Und unser Erfolgsmodell ‚Duales Studium‘ bringt Studieninteressierte, Praxispartner und Hochschulen zusammen. Es verbindet auf einzigartige Weise Theorie und Praxis. Das nutzt den Studierenden, die zielgerichtet auf ihre spätere berufliche Tätigkeit hin studieren können, und den Unternehmen, die damit ihren Fachkräftebedarf sehr gezielt decken können.“

Gut ausgebildete Fachkräfte 

„Fachkräfte zu finden, zu binden und zu halten ist gerade in diesen Zeiten wichtiger und aktueller denn je. Das lässt uns die aktuelle Krise deutlich spüren. Ob in Wirtschaft oder Verwaltung, an der Werkbank, in der Arztpraxis, in der Küche, im Kindergarten, bei der Polizei, im ÖPNV oder im Altenheim – ohne gut ausgebildete Fachkräfte wird es schwierig. Sie sind unsere oftmals stillen Alltagshelden, nicht nur in der Corona-Pandemie, und tragen aktiv zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Wir setzen deshalb auch künftig im Rahmen der Hessischen Fachkräftestrategie gemeinsam mit den Gestaltungspartnern auf die Ausbildung von Fachkräften von heute und von morgen“, betonte der Hessische Minister für Soziales und Integration, Kai Klose. 

Heinrich Gringel, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern, sagte: „Das hessische Handwerk war gerade auch in schwierigen wirtschaftlichen Phasen der Vergangenheit stets ein verlässlicher Partner, wenn es um die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen ging. Auch jetzt wollen wir in einer gemeinsamen Kraftanstrengung die Krise meistern und jungen Menschen eine zukunftsträchtige Ausbildung im Dualen System ermöglichen. Denn heute selbst ausgebildeter Nachwuchs sichert den Fachkräftebedarf von Morgen.“ 

„Bleiben Sie bei Ihren Ausbildungsplanungen. Die Corona-Krise hat den Fachkräftebedarf nicht beseitigt. Im Gegenteil: Um die digitale Transformation zu meistern und gegebenenfalls Geschäftsmodelle zu verändern, brauchen Sie und die hessische Wirtschaft Nachwuchs“, sagte Eberhard Flammer, Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages. 

„Es wird eine Zeit nach Corona geben und dies wird ganz sicher wieder eine Zeit mit Fachkräfteengpässen in vielen Bereichen sein. Hessische Unternehmen sind gut beraten und sichern sich auf diesem Wege einen Wettbewerbsvorteil, wenn sie auch weiterhin oder gar verstärkt auf Ausbildung zu setzen. Wir wissen, dass es bei hessischen Unternehmerinnen und Unternehmern aktuell vielfach Existenzsorgen gibt. Auch wenn es momentan finanziell eng ist, bin ich jedoch sicher, dass sich Ausbildung als Investition in die Zukunft auszahlt, damit Unternehmen die kommende Auftragslage bewältigen können. Und auch mit Blick auf die jungen Menschen möchte ich sagen: Es darf keinen ‚Jahrgang Corona‘, keine ‚Generation Corona‘ geben. Auch die Abschlussjahrgänge dieses Jahres haben eine Chance verdient und können einen wertvollen Beitrag in jedem hessischen Unternehmen leisten“, ergänzte Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundeagentur für Arbeit. 

Sandro Witt, stellvertretender Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen: „Gerne gehören wir zu diesem Vorstoß. Denn Ausbildung ist gerade in der Krise wichtig. Jetzt muss alles getan werden, damit junge Menschen ihre Ausbildung fortführen und abschließen können. Dafür haben wir eine Ausbildungsweiterführungsförderung vorgeschlagen, wenn Betriebe, auch unter schwierigen Bedingungen die Ausbildung fortführen." 

VhU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert: „Es ist wichtig, auch allen Unternehmen und Ausbildungsverantwortlichen zu danken, die vielerorts und vielfach flexibel reagiert haben, damit die Ausbildung weiterläuft. Unsere Aufgabe ist es, Unternehmen hierbei weiter zu unterstützen und allen Beteiligten des dualen Systems zu signalisieren: Wir helfen Euch mit Maßnahmen und Beratung.“ 

Perspektive für junge Menschen 

„Junge Menschen brauchen eine Perspektive“, sagt Stephan Gieseler, Direktor des Hessischen Städtetages. „Die Städte sind sich sicher, dass mit der Ausweitung digitaler Infrastrukturen auch außerhalb der Pandemie-Phase Instrumente und Möglichkeiten geschaffen werden, Chancen von jungen Menschen für Ausbildung, Beruf und ihr Leben im Ganzen neu zu eröffnen. Deshalb ist uns gerade dieser Ansatz und diese – auch finanzielle – Kraftanstrengung besonders wichtig.“ 

Der Geschäftsführende Direktor des Hessischen Landkreistages, Prof. Dr. Jan Hilligardt, erklärte für die 21 hessischen Landkreise als Bündnispartner: „Mit dem Bündnis soll sichergestellt werden, dass junge Menschen eine Berufsausbildung finden, diese beginnen und letztlich erfolgreich abschließen. Mit den gemeinsamen Unterstützungsangeboten setzen wir alles Mögliche daran, dass uns dies auch in der jetzigen Corona-Krise gelingt.“ 

Karl-Christian Schelzke, geschäftsführender Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, sagte: „An der aktuellen Ergänzung unseres Bündnisses erkennt man, dass die derzeitige Krise auch Chancen birgt. Unser lang gehegtes Ziel die Ausbildungen in Verwaltung, im Handwerk und örtlichen Gewerbe durch die mit Digitalisierung einhergehenden Anforderungen zu modernisieren bekommt durch die aktuelle Vereinbarung einen Anschub. Hieran gilt es auch nach der Krise weiterzuarbeiten.“ 

„Es wird eine Zeit nach Corona geben. Die Freien Berufe werden auch und gerade dann qualifizierte Fachkräfte benötigen; deshalb wird der Verband Freier Berufe in Hessen – auch im Interesse der jungen Menschen – alles daran setzen, dass die Ausbildung in der Krise weitergeht", sagte Dr. Karin Hahne, Präsidentin des Verbands Freier Berufe in Hessen. (Text: Pressestelle Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen)